Schreibkurs 06 - Farben
1. Einleitung
In diesem Kapitel wollen wir uns mal über Farben unterhalten. Ich umschreibe das Schreiben gerne als "mit Worten malen". Mir geht es beim Schreiben viel darum, Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Und für das Malen sind Farben natürlich wichtig. Jede Farbe hat seine eigene Stimmung, Emotion und Symbolik. Sie eignen sich also gut für Metaphern.
Wie kann ich jetzt Farben in Texten verwenden? Es gibt natürlich die grundsätzlichen Farben: Rot, blau, lila, violett, braun, schwarz, weiß, gelb grün, orange. Wir wollen aber etwas Abwechslung in unsere Texte bringen. Vielleicht schwebt einem auch ein bestimmter Farbton vor, der eine genauere Beschreibung braucht. So wie Farben viele Schattierungen und Töne haben, gibt es auch bei den Farbnamen viele Abstufungen.
Ich habe mir ein paar Wege überlegt, wie man an möglichst abwechslungsreiche Farbbezeichnungen bekommt. Man kann erst mal zwei Arten von Farbbezeichnungen unterschieden.
1. Farben, die den Farbzusatz für das Verständnis benötigen und einen bestimmten Ton wiedergeben (berggrün, hellblau).
2. Farben, die den Farbton bereits mit einbringen (asterblau, ziegelrot).
Mit den Farbbezeichnungen, die den Farbton schon mitbringen, kann man jetzt auf den Farbzusatz auch verzichten. Man kann also statt smaragdgrün auch smaragdfarben sagen. So kann man verschiedene Farbtöne einbringen, ohne den eigentlichen Farbnamen (z.B. grün) zu häufen. Bei einem Text über Farben kann man sich natürlich auch entschieden, einen Farbnamen (z.B. rot) absichtlich als Stilmittel zu häufen. Weitere Qualifikatoren, mit denen man den eigentlichen Farbnamen vermeiden kann sind: matt, leuchtend, satt, -farben, hell, dunkel, schimmernd, strahlend etc. (turmalinmatt, pflaumenfarben, lavendelleuchtende, rosendunkel etc.).
Zusammengesetzte Farbnamen bieten außerdem einen Haltepunkt, an den man Metaphern anknüpfen kann und der einen auf neue Ideen bringen kann. Bei berggrün kann man zum Beispiel im Bild bleiben und schreiben:
Berggrünen Mutes erklomm er den Gipfel.
Viele Bezeichnungen aus der Natur eignen sich dazu klangmalerisch zu arbeiten (z.B. mit Halbedelsteinen). Und sie eignen sich zu Wortspielen (z.B. Pflanzennamen wie Totentrompeter, Wolfsmilch).
Nehmen wir die blaue Pflanze Eisenhut. Eisen -> Schmiede, blau -> Himmel: Eisen -> Rost, Rost -> rot, Rot + Himmel -> Sonnenuntergang
Rostrot tropft der Sonnenuntergang
vom eisenhutblau geschmiedeten Himmel.
Du kannst dich von den verschiedenen Farbnamen inspirieren lassen wie oben gezeigt. Du kannst deinen Text aber auch auf der Farbsymbolik aufbauen. Nehmen wir zum Beispiel gelb, das auch für Gier stehen soll. gelb -> gichtig, gichtig -> Finger, umklammern. Die Gier personifizieren wir:
Mit gelbgichtigen Fingern umklammert die Gier ein hohles Herz
2. Schreibübung
Schreibaufgabe
a) Lasse dich von Farben und farbigen Dingen zu einem Text inspirieren.
b) Versuche das Stilmittel Assonanz zu verwenden.
Extra Schreibübung
Dies ist ein Schreibspiel der Autorengruppe Oulipo. Es heißt Anagramm. Aus einem Wort sollen neue Wörter gebildet werden. Man muss nicht alle Buchstaben verwenden , aber man darf auch keine hinzufügen oder doppelt verwenden. Versuche möglichst viele Wörter zu finden. Du kannst auch mit Buchstabenschnipseln arbeiten.
Schreibe dann einen Text mit den Wörtern, die du gefunden hast.
Beispiel:
Aus dem Wort Salzmine kann man „nie, Minze, Alm, Malz usw.“ bilden.
3. Zum Einstimmen ein Gedicht
Mein blaues Klavier
Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielten Sternenhände vier -
-Die Mondfrau sang im Boote-
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.
Zerbrochen ist die Klaviatür...
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe Engel öffnet mir
-Ich aß vom bitteren Brote-
Mir lebend schon die Himmelstür-
Auch wider dem Verbote.
Else Laske-Schüler
weitere Beispiele
Karoline von Günderode: Hochrot
https://www.deutschelyrik.de/hochrot.html
Joseph von Eichendorff: Jugendandacht
https://www.projekt-gutenberg.org/eichndrf/gedichte/chap123.html
Georg Heym: Träumerei in Hellblau
https://www.projekt-gutenberg.org/heym/gedichte/chap041.html
Georg Trakl: Rondel
4. Wortschatz
x-farben, matt, leuchtend, schimmernd, koloriert, satt, glänzend, strahlend, tief, hell, dunkel, gemalt, Farbton, getönt, gefärbt, getüncht, Pastell, Neon, schattiert, trüb, getüncht, malen, anstreichen, weißeln, licht, grell, düster, besprühen, beschmieren, ausmalen.
bunte, warme, kalte, weiche, harte, zarte, satte, lebhafte, frische, kräftige, leuchtende, schreiende, gedeckte, gedämpfte, stumpfe Farben
5. Symbolik
Rot: Rot ist sehr auffällig und dient als Warnfarbe. Rot ist eine warme Farbe. Glut ist rot. Rot gilt als Farbe des Blutes und ist mit Leben verknüpft. Es bedeutet Energie und Wärme. Rot steht für Freude, Leidenschaft, Liebe sowie Erotik, aber auch für Aggression und Zorn, so etwa bei dem Begriff „rotsehen“ oder beim roten Tuch. Der rote Planet Mars ist dem Kriegsgott geweiht.
Assoziationen: stark erregend, belebend, erwärmend, kraftvoll, exzentrisch Kraft, Erregung, Aktivität, Dynamik, Temperament, Leidenschaft, Liebe, Feuer, Leben (Blut), Freude, Aggressivität, Wärme, Tatendrang
Blau: Blau ist eine Farbe, die auf den Menschen meist kalt wirkt. Blau gehört zu den kalten Farben. Begünstigt durch das Blau des Himmels und dessen Widerspiegelung im Wasser steht Blau in Literatur und Grafik für Ferne, Sehnsucht und Klarheit. Daraus folgend wird dem Blau eine emotional ausgleichende, beruhigende und mäßigende Wirkung zugeschrieben. In der „endlosen“ Ausdehnung des blauen Himmels findet sich auch Beständigkeit, daraus folgend Harmonie, Sympathie und Zufriedenheit.
Hellblau ruft häufig eine Assoziation mit Treue, Harmonie, Sehnsucht sowie Zufriedenheit hervor. Blau steht aber auch für Melancholie und Depression (to feel blue).
Assoziationen: beruhigend, etwas deprimierend, friedlich, ernsthaft, sehnsüchtig, kalt, fern, unendlich, Sympathie, Beständigkeit, Ruhe, Frieden, Sammlung, Vertiefung, Hoffnung, Harmonie, Passivität, Sauberkeit
Grün: Grün steht für Leben und die Natur, Wachstum. Grün kann aber auch giftig sein (schimmelgrün, giftgrün), Grün steht auch für unerfahren, jung, frisch (grün hinter den Ohren). Grün, ebenso wie gelb, ist der Neid. Im Christentum ist Grün die Farbe der Auferstehung und es ist die Osterfarbe. Grün ist auch die Farbe des Islam. Grün steht in China für das Leben und den Osten. Grün ist als Signal meist positiv besetzt (grünes Licht geben, alles im grünen Bereich)
Assoziationen: beruhigend, sanft, freundlich, heiter, natürlich, gesund, frisch, jung, Frische, Ruhe, Entspannung, Unreife, Jugend, Natur, Frühling, Hoffnung
Gelb: Goldgelb symbolisiert im Allgemeinen die Ewigkeit. Es kann im Christentum aber auch für Ketzerei stehen. Gelb ist häufig negativ mit Neid oder Gier besetzt. In Vhina ist gelb die Erde. Nur der Kaiser durfte Gelb tragen. Gelb steht besonders in der Wappenkunde stellvertretend für Gold. Gelb kann mit den gelben Kennzeichen für Juden in Mittelalter und Drittem Reich aber auch für Ausgrenzung stehen.
Assoziationen: erregend, warm, heiter, extrovertiert, grell, aufdringlich, stolz Freundlichkeit, Optimismus, Leichtsinn, Verschwendung, Neid, Eifersucht, Verrat
Schwarz: Schwarz ist die Absorption aller Lichtfrequenzen und die Abwesenheit von Licht. Die Farbe Schwarz bezieht sich auf das Verborgene, Geheimnisvolle und Unbekannte und erzeugt dadurch ein Mysterium. Sie hält die Dinge im Inneren verschlossen, verborgen vor der Welt. In der westlichen Kultur ist Schwarz die Farbe, die mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht wird. Sie ist die Farbe, die typischerweise als Zeichen der Trauer und des Verlustes getragen wird. Schwarz wird auch mit einer Schattenseite und dem Bösen in Verbindung gebracht (z.B. schwarze Magie, schwarze Pädagogik)
Assoziationen: pessimistisch, traurig, geheimnisvoll, schwer, feierlich, ernst, verschlossen, unten, Ende, Negation, Auflehnung, Trauer, Einengung, Hass, Schmutz, Egoismus, Funktionalität, Unglück
Weiß: Weiß wird im westlichen Kulturkreis in der Regel mit Begriffen wie Freude assoziiert. Es steht auch für Unschuld, Reinheit und Jungfräulichkeit. im Christentum bedeutet die Farbe Heiligkeit. Der Heilige Geist wird traditionell oft als weiße Taube dargestellt. Die Farbe Weiß steht auch für Unsterblichkeit und Unendlichkeit sowie für den Frieden. Weiß auch steht auch für die Leere und Stille. In China ist die Farbe Symbol für Alter, Herbst, Westen und Hinterlist und wird in gebrochenem, cremefarbigen Ton für Trauer verwendet. In Afrika hat die Farbe Weiß eine herausragende Symbolik. Sie steht vielerorts für Tod; als Körperbemalung dient sie dazu, mit jenseitigen Geistern in Kontakt zu treten.
Assoziationen: rein, illusionär, steril, leer, leicht, oben, Reinheit, Ordnung, Unschuld, Leichtigkeit, Vollkommenheit
Orange anregend, lebhaft, heiter, warm, exotisch, aktiv Freude, Lebhaftigkeit, Spaß, Lebensbejahung, Ausgelassenheit
Violett introvertiert, statisch, extravagant, traurig, sehnsüchtig, melancholisch, unnatürlich, niederdrückend Macht, Theologie, Spannung, Unlust, Eitelkeit, Selbstbezogenheit, Verzicht, Beunruhigung
Braun Zurückgezogen, schwer, altmodisch, warm, gemütlich Bequemlichkeit, Anpassung, Faulheit, Fäulnis, Alter
Grau charakterlos, wandelbar, unfreundlich, arm, grausam, heimlich Neutralität, Gleichgültigkeit, Nüchternheit, Elend, Sachlichkeit, Schlichtheit, Funktionalität
6. Stilmittel
Assonanz:
Die Assonanz ist ein rhetorisches Stilmittel, das sich auf die Wiederholung eines Vokals oder einer Kombination von Vokalen in aufeinander folgenden Wörtern oder Sätzen bezieht. Es handelt sich um eine Form des Reimens, bei der nicht der Anfangsbuchstabe, sondern der Klang des Vokals betont wird. Die Assonanz kann einem Text eine Melodie geben, wo das Versmaß der Rhythmus ist.
Der Stich der Liebe lichtet
meine Gram geplagten Gedanken.
Beachte am Beispiel wie man mit hellen und dunklen Tönen, mit Dur und Moll spielen kann, passend zum Inhalt.
7. Hilfsmittel
Hunderte von Farbnamen:
8. Exemplarische Vorgehensweise
Wir wollen ja mit Worten malen. Ich entscheide mich daher für ein Landschaftsgemälde. Wir versuchen die verschiedenen Farben also in dieses Landschaftsbild einzubauen. Beginnen wir mit blau. Dazu schauen wir in die Liste mit blauen Dingen und Farbnamen.
Nehmen wir die blaue Pflanze Eisenhut. Eisen -> Schmiede, blau -> Himmel:
Die eisenhutblau geschmiedeten Himmel.
Was ist noch blau? Zum Beispiel ein See oder Fluss. Flüsse sind oft von hellerem Blau. Schauen wir bei den Halbedelsteinen nach, finden wir den hellblauen Azurit:
Vom eisenhutblau geschmiedeten Himmel
speist sich ein azuritheller Fluss.
Die Ebene ist grün. Aber wir fügen ein paar rote Farbtöne zur Abwechslung mit ein. Bei roten Blumen denke ich sofort an den Mohn. Bei grün wähle ich das Schilf als Vergleich. Alternativ könnte man auch von moosmatter weite sprechen und so den Farbnamen Grün vermeiden.
Mohnrot besprenkelt die schilfgrüne Weite.
Moos -> Schwamm -> feucht _> Tau, matt -> Halbdunkel.
Im moosmatten Halbdunkel tränkt Tau den Boden
Für die Blätter der Bäume wähle ich einen anderen Farbton. Am besten einen, der des Zusatzes grün nicht bedarf. Turmalin von den Halbedelsteinen gefällt mir klangmalerisch als Assonanz. Turmalin -> tummeln, Blätter:
Das Blattwerk tummelt sich in turmalin.
Tanngrün aus der Farbliste. Tannen->Tannenadeln, Tannen->genügsam->Abhang, Abhang-> Gebirge->Fön
Tanngrün nadelt der Fön den Abhang herunter.
Um noch etwas Rot in den Himmel bringen zu können, nehmen wir einfach die Abenddämmerung an. Was ist eine rote Blume: Fuchsien. Fuchsien sind schön klangmalerisch und erinnern mich an die Furien. Rot= Feuer. Fuchsien und Furien bilden eine Assonanz.
Fuchsienrot reiten die Furien den Wolkenbrand.
Für das Licht hätte ich gerne eine diffuse Stimmung. Gelb = Sand. Es lasse im Monment auch gerne Dinge rieseln oder tropfen. Rieseln passt zum Sand, habe ich in einem anderen Gedicht bereits ähnlich verwendet.Rieseln und Licht bildet eine Assonanz.
Sandfarben rieselt das Licht von der Sonne.
Wir hatten jetzt jeweils 2 Mal die Farben Rot, Blau und Grün. Noch ein Beispiel für Gelb. Gelb = Neid. Gelb = Sonnenblume. Beachte die Assonanz „neigen“ und „neidisch“
Gelb neigen die Sonnenblumen ihre neidischen Köpfe:
Neidisch worauf? Sonnenblumen = erdgebunden. Vogel = Freiheit, ungebunden.
Der späte Vogel verlässt den Wind für eine ferne Stille.
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