Schreibkurs 07 - Pflanzen
1. Einleitung
In diesem Kapitel möchten wir uns mit Pflanzen beschäftigen. Wie bei der Übung zu den Farben schon angesprochen, kann man über ungewöhnliche Pflanzennamen zu neuen Ideen und Bilder für den eigenen Text kommen.
Viele Pflanzennamen sind sehr poetisch. Es lohnt sich, mal in einem Naturführer oder Pflanzenlexikon zu blättern, um so Inspiration zu schöpfen. Wir hatten bei den Farben schon das Beispiel mit dem Eisenhut. Nehmen wir mal die Wolfsmilch, eine Blume:
Die von Wolfsmilch getränkte Wiese glüht im Vollmond.
Hier werden die Namensbestandteile Wolf und Milch aufgenommen und ein Bild daraus gebildet. Ein Pilz ist der Totentrompeter:
Des Totentrompeters letzter Abschied tönt durchs Gehölz.
Ein weiterer Zugangsweg zu einem Text ist die Pflanzensymbolik. Viele Blumen haben ihre eigene Symbolik. Auch in der Mythologie sind vielen Göttern bestimmte Pflanzen als Attribut zugeordnet. Eine Hinweise zur Symbolik findet ihr unter Punkt 8. Hilfsmittel. Da lesen wir zum Beispiel, dass die Distel für Unabhängigkeit steht.
Das vom Distelkranz bewehrte Haupt
folgt frei dem eigenen Blick.
Mit ein wenig Recherche lernen wir, dass die Mohnblume eines der Attribute der Göttin Demeter ist:
In Demeters Fußspuren blüht rot der Mohn.
So oder ähnlich können Pflanzen zu Texten inspirieren. Als Thema eignen sich pflanzenreiche Orte, zum Beispiel ein Garten-Gedicht oder ein Text über den Dschungel. Auch jahreszeitliche Texte (Frühling, Sommer, Herbst), mit der jeder Zeit eigenen Flora, kommen in Frage.
2. Schreibübung
Schreibaufgabe
a) Schreibe einen Text über Blumen oder Pflanzen.
b) Versuche dabei mit Symbolen zu arbeiten.
Extra Schreibübung
Sprichwörter verfremden:
In dem gemeinsamen Buch von A. Breton und P. Eluard ,,Die unbefleckte Empfängnis“ lassen beide Autoren Texte dadurch entstehen, da sie Sprichwörter verfremden.
Diese Verfremdung soll: a)durch einen hohen Grad an Willkür gekennzeichnet sein, b) weit entfernt von der Alltagssprache sein, c) einen hohen Grad an offenkundiger Widersprüchlichkeit aufweisen, d) den Sinn verbergen.
Aus ,,Jeder ist seines Glückes Schmied“ wird bei Breton ,,Du bist der Baumputzer Deines Lebens“ oder aus ,,Bleib Deinen Grundsätzen treu“ wird ,,Halte die untreuen Beine fest“.
Wählen Sie aus einem Sprichwörterhandbuch einige Sprichwörter. Schreiben Sie die gewählten Sprichwörter auf die linke Seite eines Blattes. Schreiben Sie dann automatisch eine aparte Version des jeweiligen Sprichworts auf die rechte Seite.
3. Zum Einstimmen ein Gedicht
Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade ·
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb · das weiche grau
Von birken und von buchs · der wind ist lau ·
Die späten rosen welkten noch nicht ganz ·
Erlese küsse sie und flicht den kranz ·
Vergiss auch diese lezten astern nicht ·
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.
Stefan George
weitere Beispiele
Rainer Maria Rilke: Blaue Hortensie
https://de.wikipedia.org/wiki/Blaue_Hortensie_(Rilke)
Ludwig Achim von Arnim: Alle Blumen sind ohne Harm
https://www.mumag.de/gedichte/arn_la08.html
Christian Morgenstern: Diese Rose von Küssen…
https://www.mumag.de/gedichte/mor_c66.html
4. Wortschatz
Wortschatz Pflanzen: Blüte, blühen, Blume, Stengel, Blatt, Blattwerk, Gehölz, Holz, Baum, Unkraut, Stempel, fleischfressende Pflanze, immergrün, Wurzel, Zwiebel, Wiese, Wald, Acker, Feld, Stamm, Jahresringe, Photosynthese, duften, Knospe, Ast, Halm, Busch, Strauch, Gesträuch, Beeren, Früchte, pflanzen, Topfpflanze, Torf, Heilpflanze, Hängepflanze, Kletterpflanze, Knollenpflanze, Garten, Laube, Ranken, Staude, Rabatten, Beet, Wuchs, wachsen, Sonne, Regen, Erde, Lehm, Boden, fruchtbar, aufblühen, strotzen, erblühen, gedeihen, florieren, weiterblühen, knospen, aufbrechen, grünen, prangen, gedeihen, keimen, reifen, schießen, sprießen, vegetieren, quellen, rot, grün, gelb, blau, violett, Farbenpracht, Duft, Honig, süß, Pollen, Samen, säen, Blütenstaub, Tautropfen, Laub, Schattenbeet, Blütenkerze, Rispen, floral, wuchern, fruchten, Fruchtbarkeit, quellen, überladen, phantastisch, Saat, sprießen, Gewächs, bewässern, gießen
Wortschatz Erde: lehmig, sandig, steinig, durchlässig, humos, nährstoffreich, locker, erdfarben, körnig, schwarz,
5. Symbolik
Blumen haben eine vielfältige Symbolik, die sich kaum zusammenfassen lässt. Weiß steht für Reinheit, Unschuld, Ehrlichkeit und Eleganz. Rosafarbene Blumen symbolisieren Zärtlichkeit, Liebe und Sehnsucht. Für romantische Liebe und Leidenschaft sind vor allem rote Blumen wie Rosen bekannt. Strahlend gelbe Blüten drücken Wärme, Glück, Lebensfreude, aber auch Leid und Eifersucht aus.
Die Blaue Blume war ein wichtiges Symbol der Romantik. Sie steht für Wanderschaft und Sehnsucht sowie Liebe und das Streben nach dem Unendlichen.
Man kann im Internet zu einzelnen Blumen Symbolik finden. Hier nun einiges zur Symbolik der Blume allgemein. Die Blume steht für die Liebe, speziell der Geliebten, die vom Liebhaber beschützt oder beschützt und behütet wird. Außerdem ist die Blume Symbol der Seele, des Lebens und der Unsterblichkeit. Im antiken Mythos verwandelt sich die Seele nach dem Tode in eine Blume. In der antiken Unterwelt und im christlichen Himmelreich steht die Blume für das ewige Leben. Ferner können Blumen Ausdruck des Wunsches nach ewiger Jugend und Seligkeit sein. Zugleich kann die Blume aber auch Symbol der Vergänglichkeit sein. Das schnelle erblühen und Vergehen der Blume macht sie zum Symbol der Flüchtigkeit alles Schönen. Die Blume ist auch Symbol der Dichtkunst. Anthologie heißt wörtlich „Blütenlese“.
Einige Beispiele:
Palme: Triumph
Primel: reines, zartes Gemüt
Zierapfel: Exaktheit, Gerechtigkeit
Löwenmäulchen: Arroganz, Hochmut
Mimose: edler, ernster Stolz; Empfindlichkeit
Lauch: Geduld
Lilie: Demut, Reinheit, Unschuld, Jungfräulichkeit, Blume der Jungfrau Maria (Madonnenlilie) - weiße Lilie: auch Totenblume
Eukalyptus: Versuchung
Aster: Gefühlvolle Erinnerung - auch Totenblume
Binse: Einsamkeit , Symbol für Bescheidenheit, Demut, Schwäche, Hinfälligkeit, Unbeständigkeit. Im Christentum Symbol der unermüdlichen Gottesliebe.
Feigenbaum: Fruchtbarkeit, Wohlstand
Flieder: Erste Liebe, Freundschaft
Gänseblümchen: Unschuld, zärtliche Erinnerung, Reinheit, Anspruchslosigkeit, Mutterliebe
6. Stilmittel
Symbol:
Einfach erklärt ist das Symbol ein Bild mit einem Sinn, das über sich hinaus auf etwas Allgemeines verweist. Das Symbol deutet also auf einen konkreten Gegenstand hin, in dem ein allgemeiner Sinnzusammenhang oder eine allgemeine Vorstellung steckt. Nicht immer besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Symbol und dem Gemeinten. Um das Symbol richtig zu verstehen, muss seine Bedeutung oder sein Sinn bekannt sein.
das Kreuz: ein Symbol für den christlichen Glauben
das Herz: ein Symbol für die Liebe
die weiße Taube: ein Symbol für den Frieden
7. Hilfsmittel
Symbolik von Blumen:
https://www.blumen-versender.com/blumen-bedeutung/
https://www.hauenstein-rafz.ch/de/pflanzenwelt/sammelsurium/Die-Symbolik-der-Pflanzen.php
https://www.code-knacker.de/blumen.htm
https://www.bekude.de/ratgeber/symbolik-der-pflanzen/
https://pos-artfleur.com/redensarten-volksweisheiten/
c) Viele Pflanzennamen:
https://www.lechner-stauden.at/pflanzen-a-z
8. Exemplarische Vorgehensweise
Bei der ersten Zeile konzentriere ich mich auf die Farbe des Enzian. Freies Assoziieren: Blau → Himmel, Wasser. Der erste Satz setzt erstmal nur eine Stimmung.
Wie ein stiller See
spiegelt der Himmel
das blaue Staunen des Enzian.
Ich fahre fort mit der Symbolik der Lilie, die als Totenblume gilt. Die Lilie ist weiß. Weiß und mit Verbindung zum Tod ist das Leichentuch.
In bleiches Leichentuch gehüllt die Lilie
hält Wacht am Grab des Sommers.
Wir bleiben bei diesem Gedanken und knüpfen mit einer weiteren Blume mit Todessymbolik an. Die Aster steht eben falls für gefühlvolles Erinnern.
Die Aster schließt die Erinnerung an
den letzten Sonnentag warm ins Knospenherz.
Bei der nächsten Zeile lasse ich mich von dem Blumennamen inspirieren und nehme ihn wörtlich. Die Glocke läutet. Wieder greife ich die Abschiedstimmung auf.
Die Glockenblumen läuten
traurig Abend.
Ich will das Abendmotiv aufgreifen. Der Übergang zur Nacht ist die Dämmerung. Der Sonnenuntergang ist rot. Zu rot passt gut das Blutgras, das einen lyrischen Namen hat.
Das Blutgras wuchert rot
aus dem zornigen Herz
der Dämmerung.
Jetzt weiß ich erstmal nicht weiter. Was gibt es denn sonst noch für Herbstblumen? Da ist zB das Löwenmäulchen und der Fuchschwanz. Beide haben sehr bildhafte Namen, mi denen man vielleicht etwas anfangen kann. Fuchsschwanz ist das Sinnbild der Erinnerung und der Trauer getrennter Freunde. Trennung von Freunden → Einsamkeit. Das Bild des Fuchses, der einsam umherstreift passt zum Herbst.
Einsam streift der Fuchsschwanz
durchs blätterblühende Gehölz.
Das Löwenmäulchen steht für Hochmut. Mal überlegen... Das Maul aufsperren → Gähnen.
Das Löwenmäulchen gähnt gelangweilt.
Hochmütig steht es abseits
des herbstlichen Reigens.
Nun brauchen wir noch einen Schlußsatz, der den Text abrundet. Um mich inspirieren zu lassen werfe ich einen Blick in den Wortschatz. Früchte und reifen fallen mir ins Auge.
Der Herbst reift zur vollen Frucht
und legt den Samen für das nächste Jahr.
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