Wozu?

Ein halber Mond hängt
schief am Firmament.
Höhnisch grinsende Nacht.
Das Kopfsteinpflaster äfft
meine Schritte nach.
Das Echo der Stille hallt
in meinem ausgehöhlten Herz.
Wozu die Hoffnung noch
aus dem Grab der Vernunft heben?
Ich flüstere deinen Namen
in den Wind.
Ich zeichne dein Ohr
in den Sand.
Die taube Flut nimmt es fort.


Der Fliegengott

Ich melke den Fliegengott.
Trinke von der Milch
millionenfachen Flügelschlags.
Die Zeit dehnt sich ins Unwirkliche.
Jeder Blick pflückt einen Sonnenstrahl.
Mein Gehör reitet das Staubkorn.
Der Himmel schmeckt pflaumblau.
Ich spüre den Herzschlag der toten Katze.
Ich schlüpfe durch den Zwischenspalt
an den Dingen vorbei
ins Unwillkürliche.

Blume

Du bist die unwahrscheinlichste aller Blumen
Du wächst kopfüber von der Decke.
Deine Stengel drängen in den Schatten.
Deine Blätter färben sich im Frühjahr.
Du findest Halt in der Luft.
Du schlägst Wurzeln im Stein.
Du bist die unwahrscheinlichste aller Blumen.
Du duftest nur nachts
und nur für mich.


Abendspaziergang

Unter dem Vollmond blüht die Sehnsucht.
Ich hasche die Erinnerung
wie Glühwürmchen im Dunkel.
Die Grillen weben ihr Lied
in die wiegende Stille.
Die Bäume ballen den ausladenden Rumpf
zu kohlschwarzen Schatten zusammen.
Ihre blattsatten Äste schweben
wie Rabenschwingen über dem Weg.
Hinter der Allee duckt sich das Fachwerk
mit heimflüsternden Fenstern.
Der Rauch ferner Feuer würzt
die Nacht mit Wehmut.
Vor irgend einem Kamin
räkelt sich das Katzenschnurren
warmer Behaglichkeit.
Mir bleibt nur das traurige Lied
der einsamen Eule.




In fernen Osten läutet es Morgen.

An den Ufern der Welt
staut sich das Staunen.
Im Holz verwachsen,
aus dem Fels gewaschen,
ins Gestrüpp geflochten.
Die Fische in der Gischt
rollen mit den Wellen heimwärts
ins offene Meer.
Vogelschwärme tauchen unter der Bewölkung
hindurch in eine goldleuchtende Erinnerung.
Eine Herde leichthufiges Silber-Wild
trägt die sternklare Botschaft in die Finsternis.



Die Hügel singen vom Untergang.

Die Hügel singen vom Untergang.
Der Aufbruch sickert in meine Gedanken.
Der Horizont bricht spröde, verletzlich.
Vom Himmel löst sich Vergebung.
Meine Schritte wehen auf die Straße
und tragen mich davon.
Ich pflücke Vogelzwitschern
aus dem unvollendeten Wind.