Wortsturz
Der rasselnde Wortsturz
begräbt
den verstummten Gegenton
unter Sinnfremde.
Windworte.
Unter Kommentarnung,
in Beiläufigkeit gehülltes
Desinteresse.
Sturmworte
von cholerischem Stirngewölk
herabhassender
Zorn.
Auf kargem Grat
des Verstehens
ausgleichahnend
über schwindelnden Abgründen
semantischen Entsetzens.
Expressionistische Landschaft
Tausonne grünt Landschramme.
Himmelblau gähnt Wolkenknick.
Hügelrücken staunt Waldgötze.
Sinkpfad folgt Talsturz.
Wegkante: Blumenwucherung droht.
Schwitzaugen begaffen Naturseele.
Vogeljohlen, Baumhymnus.
Armut
Der alte abgewetzte Anzug Armut
passt mir wie die nackt Haut.
Die leeren Taschen fülle ich
mit taugenichtsnutzigen Träumen.
Ich streiche mir Mangel auf Brot.
Das nährt mich gut genug.
Wozu Wein trinken,
wenn das Wasser vom Himmel kommt.
Wer keine Taube auf dem Dach hat,
baut kein Vogelhaus.
Er lauscht dem Gesang des Spatzen.
Der Weg der Armut ist steinig,
aber dafür geht es stets bergab.
Wer keine Wahl hat,
ist ohne Not zu entscheiden.
Ruf der Nacht
Ein schwarzer Mond
versteckt in traumloser Nacht.
Der Eulenruf schwingt sich
über die Stille in klare Luft.
In mir erstickt ein Lied.
Das muss jetzt singen
oder sterbelang schweigen.
In der Erinnerung lauert ein Fieber,
das die Tage verzehrt.
Mein Schädel pocht und summt.
Viele Bienenstockwerke emsiger Ideen.
Das blinde Auge des nachtmahren Raben
füllt leere Bestimmung.
Der Scherenschnitt der Wirklichkeit
taucht in den Schatten.
Wortbruchstelle
Wortbruchstelle.
Die semantsiche Naht erodiert.
Es bilden sich Risse
in den Tatsachen..
Zwischen den Zeilen
lauert ein Abgrund.
Im Spiegellabyrinth
ins Unendliche vervielfachter
Deutungen
starrt die Wirklichkeit
tausendfach gesplittert zurück.
Das Silbenflüstern schlüpft
an der Bedeutung vorbei.
Die Wortfrucht verdorrt.
Die Erklärung gärt unverständlich.
Aus dem Salzmeer der Sinnleere
schöpfe ich einen Schluck
Ungewissheit.
Es bleibt der entsetzliche Durst
nach Verstehen.
Speculum
Wer schaut sich schon
selbst ins Gesicht, prüfend.
Das Echo des Anblicks
klingt kupfern im Schädel nach.
Dieser Parasit meiner Psyche,
aufgegangen aus der Saat meiner Fehler,
aufgedunsen, gierig,
rottet im Spiegel vor sich hin.
Ich möchte mein Selbstbildnis
unter dem Dach verstecken.
Meine Traurigkeit ist omnivor.
Sie kann aus jedem Moment des Glücks
eine Träne pressen.
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